Risikomanagement nach BilMoG (PDF 1.4 KB)
Gesamtaussage zur Risikosituation (Auszug aus dem Geschäftsbericht 2009)
Wie im vorangegangenen Jahr hat die Unternehmensleitung festgestellt, dass derzeit keine Risiken erkennbar sind, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden.
Um die Auswirkungen solcher Risiken so weit wie möglich zu minimieren, hat Tognum ein leistungsfähiges Risikomanagementsystem eingeführt, das für das Unternehmen ungünstige Entwicklungen so zeitig wie möglich identifizieren und analysieren sowie die rasche Einleitung gegensteuernder Maßnahmen ermöglichen soll. Im Rahmen des Risikomanagementsystems sind verschiedene Rollen mit definierten Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen definiert. Es sind Risikoverantwortliche benannt, die auf Grundlage einer unternehmensweiten Risikoinventur Risiken identifizieren, indem sie Ereignisse und Entwicklungen im Unternehmen oder in seinem Umfeld systematisch betrachten, die zu Abweichungen vom geplanten wirtschaftlichen Erfolg führen können. Die Risikoinventur erfolgt auf Basis von definierten Risikofeldern die konzernweit alle relevanten Bereiche erfassen und laufend angepasst werden.
Die Bewertung der Risiken erfolgt zum einen nach der Eintrittswahrscheinlichkeit und zum anderen nach der Schadenshöhe bei Eintritt. Entsprechend werden die Risiken in einer Matrix dargestellt. Den Risikoverantwortlichen stehen hierfür Computerprogramme zur Verfügung, die zur Identifikation, Dokumentation und Bewertung dienen und zusätzlich durch die Erfassung von Indikatoren frühzeitig risikobehaftete Entwicklungen aufzeigen. Für die einzelnen Geschäftsbereiche und Gesellschaften sind angepasste Schwellenwerte definiert. Die Einstufung der Risiken ergibt auch den „Eskalationsprozess“, der festlegt, ob eine Berichterstattung erforderlich ist oder möglicherweise sogar Ad-hoc- Maßnahmen zu erfolgen haben.
Die konzernweit erkannten Risiken werden durch das zentrale Risikomanagement gesammelt, konsolidiert, analysiert und ausgewertet. Dabei liegt besonderes Augenmerk auf den singulären, kumulativen oder additiven Eigenschaften der Risiken, ohne sie dabei mit Chancen gegenzurechnen. Bei der Analyse und Bewertung der Einzelrisiken und des Gesamtrisikos der Tognum-Gruppe berät ein so genanntes Risk-Review-Team das zentrale Risikomanagement.
Dezentrale Risikoverantwortliche sind dafür verantwortlich, Einzelrisiken zu steuern und mit ihnen umzugehen. Dabei werden sie vom zentralen Risikomanagement unterstützt. Das Gesamtrisiko der Unternehmensgruppe steuert der Vorstand der Tognum AG.
Die Prozesse von der Risikoidentifikation über die regelmäßige Erfassung, Analyse und Steuerung bis hin zur Berichterstattung der Einzelrisiken und des Gesamtrisikos sind in einer konzernweit geltenden Richtlinie festgehalten. Zusätzlich besitzt jeder Mitarbeiter Zugang zu einem Risikohandbuch mit umfassenden Informationen.
Darüber hinaus entwickeln wir das unternehmensweite Risikomanagementsystem kontinuierlich weiter. Hierzu verwenden wir auch Hinweise und Optimierungsempfehlungen aus externen und internen Audits. Insbesondere die Wirtschaftsprüfer und die interne Revision unterstützen uns dabei. Das Risikomanagementsystem in Bezug auf Liquiditäts-, Währungs- und Zinsrisiken wird zusätzlich monatlich analysiert und gesteuert. Detaillierte Informationen zu den Einzelrisiken geben wir unter dem Abschnitt „Finanzrisiken“ im Risikobericht ab Seite 91 im Geschäftsbericht 2009 sowie unter dem Abschnitt „Finanzrisikomanagement“ im Anhang ab Seite 126 im Geschäftsbericht 2009.
Marktrisiken. Die anhaltend schwierige gesamtwirtschaftliche Entwicklung beeinflusst unsere Geschäftsentwicklung und stellt auch für Tognum ein Risiko dar., denn der Vertriebserfolg unserer Produkte hängt ganz wesentlich vom konjunkturzyklischen Nachfrageverhalten unserer Kunden ab. Allerdings betrifft dies nicht alle Teilmärkte und Anwendungsbereiche gleichermaßen. Dank unserer ausgewogenen weltweiten Präsenz und einem differenzierten Produktportfolio mit einer großen Bandbreite an Anwendungsbereichen sind wir weniger anfällig für negative Entwicklungen, die nur in einzelnen Wirtschaftsregionen oder Anwendungsbereichen auftreten. Die Folgen auf das Gesamtergebnis sind begrenzt. Zusätzlich zur konjunkturellen Situation haben auch verschiedene andere Markttreiber Einfluss auf den Erfolg der Tognum-Gruppe, etwa öffentliche Budgets. Die genannten Faktoren wirken teilweise entgegengesetzt und damit ausgleichend. Aus diesem Grund nehmen wir regelmäßig Markteinschätzungen vor, die besonders die konjunkturelle Entwicklung, die sonstigen makroökonomischen Faktoren und das Wettbewerbsumfeld betreffen. Auch durch flexible Produktionskapazitäten und Maßnahmen, die Fixkosten senken, verringern wir mögliche Risiken aus Produktions- und Absatzschwankungen. Aufgrund des starken Wettbewerbs auf dem Markt für Motoren können wir Preissteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Vorprodukten nicht automatisch vollständig an Kunden weitergeben. Zur Verringerung dieser Preis- und Bezugsrisiken auf der Beschaffungsseite setzen wir deshalb auf weltweit koordinierte Einkaufsaktivitäten, langfristige Lieferverträge und die kontinuierliche Optimierung des Lieferantenportfolios. Hierzu zählt auch die Umsetzung einer produktionsstandortbezogenen Beschaffungsstrategie mit dem Hintergrund, die Abhängigkeit von den teilweise teuren westeuropäischen Zulieferermärkten zu reduzieren.
Der veränderten Finanzierungssituation unserer Lieferanten und der anhaltend schwachen Konjunktur begegnen wir mit Maßnahmen, die die Folgen möglicher Lieferantenausfälle kompensieren. So bevorraten wir z. B. Teile und qualifizieren neue Lieferanten. Auf diese Weise machen wir uns auch unabhängiger von Lieferanten, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden.
Produktportfolio. Der Tognum-Konzern hat Lücken in seinem Produktportfolio geschlossen und den Anteil fremdbezogener Produkte und damit die Abhängigkeit von Motorenlieferanten verringert. Mit der neu entwickelten Baureihe 1600 eröffnen wir uns den unteren Leistungsbereich. Die Montage von Motoren für dezentrale Energiesysteme begann im Jahr 2009. Um die Abhängigkeit von Lieferanten bei einzelnen Bauteilen und Komponenten möglichst gering zu halten, verfolgen wir die Strategie unsere Kernkompetenzen im eigenen Haus zu halten.
Beteiligungsportfolio. Die Beteiligungen von Tognum beschränken sich überwiegend auf Gesellschaften, die sich zu 100 % im Eigentum der Tognum AG oder ihrer Gesellschaften befinden. Darüber hinaus bestehen Joint Ventures und Minderheitsbeteiligungen, bei denen Tognum jedoch in der Regel über weitreichende Mitbestimmungs- und Informationsrechte verfügt. Tognum ist nur an einem börsennotierten Unternehmen als Minderheitsaktionär beteiligt und auch hier nur einem unwesentlichen Risiko ausgesetzt. Die Beteiligung an der IFA-Rotorion Holding GmbH, Haldensleben birgt noch ein Kaufpreiszahlungsrisiko, das von der wirtschaftlichen Entwicklung der IFA-Rotorion-Gruppe abhängt. Darüber hinaus sind im Beteiligungsportfolio keine wesentlichen Risiken erkennbar.
Unternehmensstrategie. Wir haben die Unternehmensstrategie von Tognum definiert und bilden sie in der bestehenden Konzernstruktur und den festgelegten Prozessen ab. Tognum ist in zwei Geschäftsbereichen tätig: Engines und Onsite Energy & Components. Der Geschäftsbereich Engines umfasst MTU-Motoren und MTUAntriebssysteme für Schiffe, Land- und Schienenfahrzeuge, militärische Fahrzeuge sowie für die Ölund Gasindustrie. Das Portfolio des Geschäftsbereichs Onsite Energy & Components besteht aus dezentralen Energieanlagen der Marke MTU Onsite Energy und aus Einspritzsystemen von L’Orange. Die Energieanlagen umfassen Dieselaggregate für Notstrom, Grund- und Spitzenlast sowie Blockheizkraftwerke zur Kraft-Wärme-Kopplung auf Basis von Gasmotoren, Brennstoffzellen oder Gasturbinen. Im Rahmen ihrer globalen Wachstumsstrategie geht Tognum Joint Ventures ein. Diese Art der Zusammenarbeit mit kompetenten und etablierten Geschäftspartnern vor Ort erleichtert den Ausbau der Vertriebs- und Produktionstätigkeiten in China, unterstützt unseren Vertrieb in Japan und bringt die Entwicklungsarbeiten in der Schweiz zügiger voran. Wir betrachten die Joint Ventures als Chance für unser Unternehmen, da sie die Risiken des globalen Wachstums verringern. Die Organisation von Tognum wird bei Bedarf an Strategieänderungen angepasst. Wir gehen aber weiterhin davon aus, dass sich unsere eingeschlagene Strategie auch in einem schwierigen Marktumfeld als stabil erweisen wird.
Technologie. Die technische Weiterentwicklung unserer Produkte stellt uns vor erhebliche Herausforderungen: Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit unserer Produkte steigen, die Abgasvorschriften verschärfen sich. Die Technologierisiken spielen in der Tognum-Gruppe deshalb eine bedeutende Rolle. Um solche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen zu können wirkt Tognum in verschiedenen Gremien und Verbänden mit. Weiterhin begegnet Tognum Technologierisiken auf zwei Wegen: Zum einen arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Entwicklungsprozesse zu optimieren und zum anderen sorgen wir mit einem Joint Venture zur gemeinsamen Entwicklung von Abgasnachbehandlungssystemen für Synergien.
Qualität. Nicht zuletzt aufgrund der anerkannten Qualität ihrer Produkte und globalen Servicepräsenz sieht sich die Tognum-Gruppe auch bei einer schwachen Nachfrage gut positioniert. Allerdings erfordert die technische Spezifikation der Produkte eine gleichbleibend hohe Qualität der Zulieferer. Durch einen starken Rückgang der Auslastung von der Kapazitätsgrenze zur Unterauslastung mit entsprechenden Rationalisierungsmaßnahmen könnten die Qualität und die Termintreue der Zulieferer leiden. Dies gilt insbesondere für Lieferanten, die auch die Automobilindustrie beliefern. Um diese Risiken zu beschränken, wählen wir unsere Lieferanten sorgfältig aus und überprüfen sie regelmäßig. Produktmängel wirken sich negativ auf die Reputation des Unternehmens aus und bergen Haftungsrisiken. Wir beugen diesen Risiken durch eine sorgfältige Produktentwicklung und ein umfangreiches Qualitätsmanagement vor. Da einzelne Mängel dennoch nicht ausgeschlossen werden können, bietet Tognum ihren Kunden ein weltweit verfügbares und zuverlässiges Servicenetz. Um die möglichen finanziellen Auswirkungen dieser Risiken zu begrenzen, wurden Versicherungen abgeschlossen.
Personal. Tognum ist als attraktiver Arbeitgeber positioniert. Um hoch qualifizierte Mitarbeiter für unser Unternehmen zu gewinnen, verstärkten wir unsere Aktivitäten im Personalmarketing. So sprechen wir angehende Ingenieure bereits während des Studiums gezielt an. Ein internationales Traineeprogramm soll die Absolventen verschiedener Fachrichtungen dann auf ihre künftigen Aufgaben als Fach- und Führungskräfte vorbereiten. Einem möglichen Facharbeitermangel begegnen wir durch zahlreiche Ausbildungsplätze. Unser Aus- und Weiterbildungsprogramm mit internen und externen Veranstaltungen motiviert die Mitarbeiter und erhöht ihre Qualifizierung. Jeder Mitarbeiter kann seine Ideen über das betriebliche Vorschlagswesen einbringen − davon profitieren das Unternehmen und seine Mitarbeiter gleichermaßen. Die geringe Fluktuationsrate und eine hohe durchschnittliche Betriebszugehörigkeit zeigen, dass sich all diese Maßnahmen bezahlt machen.
Im Rahmen des Verkaufs der Rotorion GmbH und der damit verbundenen Standortverlagerungen wurde ein Interessenausgleich mit den Beschäftigten am Standort Friedrichshafen vereinbart. Die Mitarbeiter sollen zum einen im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten in Unternehmenseinheiten am Standort Friedrichshafen oder an anderen deutschen Tognum-Standorten integriert werden und zum anderen werden Maßnahmen wie Altersteilzeit und Aufhebungsverträge umgesetzt. Mit einer flexiblen Beschäftigungsstrategie begegnen wir einer möglichen länger anhaltenden Nachfrageschwäche nach unseren Produkten. Um Kapazitäten an den Produktionsbedarf anzupassen, trennen wir uns bei Bedarf von Leiharbeitskräften und nutzen die Optionen teilweise befristeter Arbeitsverhältnisse. Weiterhin setzen wir auf flexible Arbeitszeitkonten, um Anwesenheitszeiten bedarfsgerecht zu steuern. Insgesamt verfolgen wir im Bereich Personal eine präventive Risikostrategie.
Informationstechnologie. Die zentralen Geschäftsprozesse der Tognum-Gruppe und ihrer Einzelunternehmen hängen ganz wesentlich von IT-Prozessen ab. Um die daraus entstehenden Risiken zu minimieren, entwickeln wir die IT-Organisation gemäß unserer globalen Strategie weiter und optimieren sie stetig im Hinblick auf neue Anforderungen. Die Zuverlässigkeit der IT-Systeme gewährleisten wir, indem wir die ITInfrastruktur konzernweit standardisieren und sie permanent an den Stand der Technik anpassen. Dabei haben die Sicherheit der IT-Systeme und des Datenbestands oberste Priorität: Wir stellen sie durch redundante Hardwaresysteme und aktuelle Softwarelösungen sicher. Ein Information Security Officer ist dafür verantwortlich, weltweit Risiken für die Informationssicherheit zu identifizieren, Gegenmaßnahmen abzuleiten und deren Umsetzung zu steuern.
Finanzen. Als international agierender Konzern ist Tognum im Rahmen operativer Geschäftstätigkeiten und bei der Finanzierung generell Finanzmarktrisiken ausgesetzt. Weitere Informationen zu Finanzierungs- und Finanzmarktrisiken sind im Anhang im Abschnitt „Finanzrisikomanagement“ ab Seite 126 im Geschäftsbericht 2009 aufgeführt.
Währung und Zinsen. Währungsrisiken können aus Vermögenswerten, Verbindlichkeiten und erwarteten Zahlungsströmen entstehen, die auf eine andere Währung als den Euro lauten. Um diese Risiken einzudämmen oder gänzlich auszuschließen nimmt Tognum Darlehen in Fremdwährungen auf und setzt Devisentermingeschäfte und bei Bedarf Optionen ein. Diese Maßnahmen gelten vor allem für Währungsrisiken, die aus Engagements in US-Dollar resultieren. Tognum verfügt zudem über variabel verzinsliche Bankdarlehen aufgenommen, die Zinsänderungsrisiken bergen. Diese begrenzen wir durch Zinsderivate.
Liquidität. Tognum verfolgt eine konservative Finanzierungsstrategie. Das Unternehmen verfügt über eine niedrige Nettofinanzverschuldung und eine ausreichend hohe Eigenkapitalquote. Dies trägt neben der stabilen Ertragskraft zu einer Bonitätsbewertung durch die refinanzierenden Banken bei, die dem Investment Grade entspricht. Diese Bonitätsbewertung wirkt sich unmittelbar auf die Konditionen der Finanzierung aus. Unterstützt durch die mittelfristige Rahmenfinanzierung sind wir damit im Bereich Finanzierung gut aufgestellt. Die geschlossenen Darlehensverträge beinhalten Vereinbarungen zur Einhaltung marktüblicher Covenants. Die Liquidität des Unternehmens stellen wir durch langfristige und ausreichende Kredit- und Bürgschaftslinien bei einer größeren Anzahl von überwiegend europäischen Banken sicher. Außerdem gewährleisten der gute Cashflow und das aktive Cashmanagement, dass finanzielle Mittel bedarfsgerecht zur Verfügung stehen.
Forderungsausfälle. Risiken aus Forderungsausfällen, die bei Tognum im geschäftsüblichen Umfang bestehen, sichern wir mit gängigen Mitteln der Forderungsabsicherung sowie mit einem aktiven Forderungsmanagement ab. Das Risiko minimieren wir bereits im Vorfeld, indem wir die wirtschaftliche Situation unserer Kunden aktiv überprüfen und bewerten. Kreditlinien gewähren wir nur in begrenztem Umfang. Darüber hinaus reagieren wir bei erkennbaren Ausfallrisiken mit entsprechenden Wertberichtigungen.
Rechnungslegung. In den Konzernabschluss der Tognum AG werden neben dem Einzelabschluss der Tognum AG 24 Einzelabschlüsse von in- und ausländischen Tochtergesellschaften einbezogen. Die Einzelabschlüsse der Tochtergesellschaften werden überwiegend dezentral erstellt. Die Konsolidierung der Tognum- Gruppe erfolgt weitgehend in der Konzernzentrale. Der asiatische Teilkonzern MTU Asia Pte. Ltd., Singapur/Singapur, sowie der amerikanische Teilkonzern MTU Detroit Diesel Inc., Detroit/USA, fließen bereits vorkonsolidiert in den Teilkonzernabschluss der MTU Friedrichshafen GmbH, Friedrichshafen, ein, der wiederum in den Konzernabschluss der Tognum AG einfließt. Die länderspezifischen Rechnungslegungsstandards der Tochtergesellschaften werden auf die International Financial Reporting Standards (IFRS) übergeleitet, soweit nicht bereits im jeweiligen Einzelabschluss der Tochtergesellschaft nach IFRS bilanziert wird. Eine konzernweit einheitliche Rechnungslegung in Bezug auf Ansatz, Bewertung und Ausweis stellen wir durch ein Bilanzierungshandbuch sicher, das laufend aktualisiert wird. Unterstützt wird der Konzernabschlusserstellungsprozess durch eine auf die Bedürfnisse von Tognum entwickelte Konsolidierungssoftwarelösung. Themen wie Finanzierung und Steuern werden durch die Zentralbereichsfunktionen Group Treasury bzw. Group Taxes in der Konzernzentrale gebündelt.
Aufgrund der Anzahl an Gesellschaften und der unterschiedlichen regionalen Verteilung der Tochtergesellschaften bestehen Risiken in Bezug auf das Ziel einer verlässlichen Rechnungslegung, die sich in einer zeitlich verspäteten Veröffentlichung, Falschaussagen im Jahres-/Konzernabschluss oder betrügerischen Manipulationen niederschlagen können. Um diese Risiken soweit wie möglich einzugrenzen und zu steuern, wurden von der Tognum AG verschiedene Maßnahmen und Kontrollen etabliert. Für eine zutreffende Erfassung der Transaktionen in der Buchführung wurden in die Arbeitsabläufe Fehler vermeidende und aufdeckende, manuelle wie auch automatische Kontrollen in der Rechnungslegungssoftware installiert. Des Weiteren werden die Tochtergesellschaften von Gesellschaftsbetreuern in der Konzernzentrale unterstützt, die eine Qualitätskontrolle für die übernommenen Daten bilden und den Tochtergesellschaften bei komplexen Fragestellungen zur Seite stehen. Bei der Durchführung von allgemeinen Schätzungen z. B. zur Ermittlung von Geschäfts- oder Firmenwerten oder immateriellen Vermögenswerten mit unbestimmter Nutzungsdauer besteht ein Risiko der Werthaltigkeit. Zur Prüfung derselben wird jährlich und bei Anzeichen von einer Wertminderung ein Wertminderungstest durchgeführt. Wesentliche Annahmen werden dabei durch den Zugriff auf anerkannte Ratingagenturen und Peer Groups oder durch den Einsatz von externen Sachverständigen objektiviert, um eine Zuverlässigkeit der Schätzungen und Bewertungen sicherzustellen. Aufgrund der produzierenden Geschäftstätigkeit der Tognum-Gruppe müssen die Vorräte in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, wobei die betreffenden Vorratsbestände zur Kosten- und Risikoreduzierung möglichst gering gehalten werden. Aus diesem Grund ergeben sich Werthaltigkeits- und Inventurrisiken von Vorräten, die durch regelmäßige Inventuren sowie durch eine objektive Bewertung von Analysen künftiger Markt- und Absatzmöglichkeiten eingegrenzt werden. Aus den Zusagen von Pensionsleistungen bestehen im Konzernabschluss der Tognum AG versicherungsmathematische Bewertungsrisiken. Für eine Einschränkung dieser Risiken werden externe Sachverständige mit der Erstellung von versicherungsmathematischen Gutachten beauftragt. Generell gilt konzernweit das Vier-Augen-Prinzip bei Arbeitsabläufen in der Rechnungslegung, sodass ein adäquater Qualitätssicherungs- und Genehmigungsprozess sichergestellt werden kann.
Sonstiges. Die Betriebsaktivitäten in der Tognum-Gruppe umfassen auch Umweltrisiken, z. B. durch den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen wie Dieselkraftstoff und Mineralölen. Unsere regelmäßigen Umweltschutz-Audits stellen in hohem Maße sicher, dass sowohl gesetzliche Umweltvorschriften als auch die hohen Umweltvorgaben der Tognum-Gruppe eingehalten werden. Weitere Risiken gehen auch von Rechtsstreitigkeiten aus. Gegen Tognum sind Gerichtsverfahren anhängig und können anhängig werden. Es handelt sich jedoch aus unserer Sicht um normale, im Zusammenhang mit unserem Geschäft stehende Vorgänge. Wesentliche Risiken aus Rechtsstreitigkeiten sind aus heutiger Sicht nicht zu erwarten, grundsätzlich aber möglich. Bei Bedarf bilden wir im üblichen Rahmen Rückstellungen.
Im Rahmen von behördlichen Zertifizierungen begegnen wir einem hohen Regulierungsgrad. Trotz unserer Technologieführerschaft kann es dabei zu Risiken kommen. Insbesondere aufgrund der Anwendungsvielfalt und der globalen Marktaufstellung gelten für unsere Produkte sehr vielfältige Emissionsregelungen deren Erfüllung auch aufgrund hoch komplexer Genehmigungsprozesse Unsicherheiten unterworfen ist. Ansonsten wirken wir den rechtlichen Risiken durch unser Vertragsmanagement, eine hohe Produktqualität und zufriedene Kunden entgegen.
Chancenbericht
Neben möglichen Risiken, denen die Tognum-Gruppe ausgesetzt ist, bieten ihr die Weltmärkte genauso
zahlreiche Chancen. Diese können sich ebenso wie die Risiken auf die Vermögenssituation der
Tognum-Aktionäre auswirken.
Systematische Handhabung von Chancen
Bei der Tognum-Gruppe werden Chancen dezentral erfasst, bewertet, gesteuert und kontrolliert. Auf
der operativen Ebene erfassen wir Markt- und Vertriebschancen. Dazu werden in den Regionen Auftrags-
und Kundenprojektlisten erstellt, priorisiert und anschließend gemeinsam mit den Leitern der
Geschäftsbereiche konsequent abgearbeitet. Außerdem erfassen wir in strukturierter Form in
„Tognum TOP“ Fachlenkungskreisen operativ Kosten- und Effizienzpotenziale. Wir verwenden hier
u. a. Benchmarking, Kontinuierlicher Verbesserungsprozess, Kaizen und Lean Management. Die
dadurch aufgezeigten Potenziale arbeiten wir ebenfalls konsequent ab. Der Gesamtvorstand wird
quartalsweise über den aktuellen Fortschritt aller Arbeitspakete von „Tognum TOP“ unterrichtet.
Auf der strategischen Ebene erfolgt die Chancenerfassung im Rahmen der jährlichen strategischen
Planung. In Strategieklausuren mit Szenario-Workshops werden Potenziale sowohl in den Märkten
und Anwendungen als auch in Produktion, IT und Verwaltung aufgezeigt und entsprechend Prioritäten
gesetzt. Zusätzlich zeigt die langfristige Produktplanung konkrete Chancen durch Neuentwicklung
oder Anpassung bestehender Produkte an weitere Kundenbedürfnisse auf und priorisiert diese.
Chancen
Die folgenden Trends bieten uns in den kommenden Jahren große Chancen zur nachhaltigen Weiterentwicklung
der Tognum-Gruppe:
Diese für unser Geschäft relevanten Trends können wir zum Wohle unserer Anspruchsgruppen nutzen und dabei unsere Motoren, Systeme und Dienstleistungen in den jeweiligen Märkten noch besser positionieren.
Stand: März 2010