
zu Beginn des vergangenen Geschäftsjahres war die wirtschaftliche Entwicklung nur schwer einschätzbar. Trotzdem lagen wir mit unserer Markteinschätzung richtig und konnten in einem extrem schwierigen Umfeld unsere Umsatz- und Ergebnisprognosen auf Jahressicht zuverlässig erfüllen. Das ist uns gelungen, obwohl die Ergebnisse in den einzelnen Quartalen konjunkturell bedingt größeren Schwankungen unterworfen waren.
Wie erwartet zog die beispiellose Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise, in der sich die Weltwirtschaft nach wie vor befindet, auch an unseren Kunden nicht spurlos vorüber und hat deren Investitionsbereitschaft stark gedämpft: Sie bestellten deutlich zögerlicher und kurzfristiger. Obwohl wir im ersten Quartal vor allem im Yachtbereich Stornierungen verzeichneten, zeigte sich unser Auftragsbestand robust und bewegte sich im weiteren Jahresverlauf im normalen Rahmen. Das führte insgesamt dazu, dass der Auftragseingang 2009 gegenüber dem starken Vorjahr um 28 % auf 2.330 Mio. Euro sank. Auch der Umsatz verringerte sich um 19 % auf 2.529 Mio. Euro. Ohne Berücksichtigung der Rotorion-Gesellschaften hätte der Rückgang 17,8 % betragen. Von einem Minus von bis zu 20 % waren wir ausgegangen. Bei der bereinigten EBIT-Marge liegen wir mit 7,9 % genau in unserem Zielkorridor zwischen 6 % und 9 %. Das bereinigte Konzernergebnis beträgt 121 Mio. Euro nach 264 Mio. Euro im Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis je Aktie beläuft sich auf 0,92 Euro gegenüber 2,01 Euro im Jahr zuvor. Umso bemerkenswerter ist es, dass wir die bereinigte Bruttoergebnismarge mit 24,7 % gegenüber dem Vorjahr mit 25,1 % weitgehend stabil halten konnten.
Diese Zahlen machen deutlich: Auf eine mehrjährige Wachstumsphase, die 2008 in Rekorderfolgen gipfelte, folgte 2009 unter dem Eindruck der weltweiten Rezession ein schwächeres Jahr auf gutem Niveau. Sie zeigen außerdem, dass unser Geschäftsmodell solide und belastungsfähig ist und sich auch in schwierigen Zeiten als nachhaltig profitabel und zukunftsfähig erweist. Als Spezialist für Antriebssysteme und Energieanlagen konzentrieren wir uns nach dem Verkauf des Gelenkwellengeschäfts von Rotorion ausschließlich auf Off-Highway-Anwendungen. Unsere Produkte und Dienstleistungen kommen in mehr als 20 unterschiedlichen Anwendungsfeldern zum Einsatz und das in allen Regionen der Welt. Auf diese Weise können wir bei konjunkturellen Schwankungen Durststrecken in einem Markt mit Erfolgen auf einem anderen Markt kompensieren. Das vergangene Jahr hat eindrucksvoll bewiesen, dass dieser Mechanismus auch angesichts eines weltweiten und branchenübergreifenden Konjunktureinbruchs funktioniert. Operativ sind wir mit diesem breiten Produktportfolio und einem wachsenden After-Sales-Geschäft stark aufgestellt. Die langfristig orientierte Strategie verleiht uns Stabilität − ein Vorteil, der uns von den meisten unserer Wettbewerber unterscheidet.
Zusätzlich haben wir frühzeitig ein ganzes Maßnahmenpaket geschnürt, um unser Geschäft kurzfristig zu festigen. Wir nennen es den „Robust Action Plan“, der auf vier Bereiche abzielt: Markt, Beschäftigung, Liquiditäts- und Risikomanagement sowie Kostenreduzierung und Investitionsplanung. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Auf diese Weise haben wir rund 100 Mio. Euro eingebracht, die unmittelbar unserem Ergebnis zugutekommen. Im Vordergrund standen und stehen dabei unsere Vertriebsaktivitäten, die wir deutlich verstärkt haben. Eine hohe Verantwortung liegt bei den Mitarbeitern, die im Markt angemessene Preise verteidigen bzw. durchsetzen. Selbstverständlich gilt das auch für Ausgaben: Wir haben Budgets überprüft und Kosten gesenkt. Die verstärkte Aufmerksamkeit unseres Risikomanagements gilt finanziell gefährdeten Kunden und Partnern. Unsere eigene Liquidität stellen wir sicher, indem wir ein konsequentes Forderungsmanagement betreiben. Investitionen haben wir gezielt auf strategisch bedeutende Projekte fokussiert. Keine Abstriche machen wir bei der Forschungs- und Entwicklungsarbeit, im Gegenteil: Hier stocken wir unser Budget sogar kontinuierlich auf. Aus gutem Grund − denn mit innovativen Produkten können wir nach der Krise schneller wieder durchstarten und schaffen uns so langfristig Wettbewerbsvorteile.
Das alles erfordert einen immensen Kraftakt. Beeindruckt sind meine Vorstandskollegen und ich von der hohen Verantwortungsbereitschaft, der Flexibilität und Eigeninitiative, die unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zeigen. Sie haben im Rahmen unseres flexiblen Arbeitszeitmodells massiv Kapazitäten abgebaut, indem sie ihre Arbeitszeitkonten mit Minusstunden belasteten. Außerdem verzichteten sie auf Sonderzahlungen und erklärten sich bereit, die im ersten Halbjahr 2009 anstehende Tariferhöhung teilweise zu verschieben. Dieser außerordentliche persönliche Einsatz verdient Anerkennung und unseren ganz besonderen Dank. Dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen, zeigt Wirkung: Wir konnten Kurzarbeit bisher vermeiden und unsere Stammbelegschaft an Bord halten. Auch das macht deutlich, dass wir erfolgreich mit der Krise umzugehen verstehen.
All diese Anstrengungen zielen auf finanzielle Sicherheit, die Sie mit Recht von uns erwarten dürfen – unabhängig davon, ob Sie Anteilseigner, Kunde, Geschäftspartner oder Mitarbeiter unseres Unternehmens sind. Dank des hohen Mittelzuflusses aus laufender Geschäftstätigkeit konnten wir die Nettofinanzverschuldung deutlich zurückfahren. Sie reduzierte sich um 43 % auf 192,2 Mio. Euro. Gleichzeitig ist es uns gelungen, die Eigenkapitalbasis im vergangenen Jahr erneut zu stärken. Mit 27,6 % hat die Eigenkapitalquote das bisher höchste Niveau seit unserem Börsengang Mitte 2007 erreicht. Unsere Bilanz ist solide und wir verfügen aktuell über ausreichend Liquidität und freie Kreditlinien. Dank unserer finanziellen und operativen Stärke können wir an unserer langfristigen Strategie festhalten und unsere Projekte ohne Anpassungen weiter verfolgen. Da können in unserer Branche nicht alle mithalten. Grund genug, dass sich unsere Aktionäre auf eine kontinuierliche Dividendenpolitik verlassen können, nach der wir jedes Jahr zwischen 30 % und 50 % des bereinigten Jahresüberschusses ausschütten. Für 2009 schlagen Aufsichtsrat und Vorstand der Hauptversammlung daher eine Dividende von 0,35 Euro je Aktie vor.
Nicht nur aufgrund der außergewöhnlichen Rahmenbedingungen war 2009 ein besonderes Jahr für unsere Unternehmensgruppe. Gleichzeitig feierte unsere größte Tochtergesellschaft, die MTU Friedrichshafen GmbH, ihre 100-jährige Erfolgsgeschichte. Schon unser legendärer Gründer Karl Maybach gab sich nicht mit dem Machbaren zufrieden und setzte seine Ideen in zukunftsweisende Technik um. Dem Anspruch, hochwertige und technologisch innovative Antriebssysteme herzustellen, sind wir bis heute treu geblieben. In unserer Unternehmensvision haben wir Technologieführerschaft, Leidenschaft und Kundenorientierung als Grundsätze festgeschrieben.
Auf dem Weg zum bevorzugten Anbieter von Antriebssystemen und Energieanlagen haben wir 2009 wichtige Meilensteine gesetzt. Fünf langfristig orientierte strategische Wachstumsinitiativen begleiten uns, die auf unser Produktportfolio, Antriebssysteme und dezentrale Energieanlagen, After Sales und regionale Expansion ausgerichtet sind. Bisherige Ergebnisse und künftige Stoßrichtungen erläutern wir ausführlich ab Seite 32 dieses Berichts. Als Premiumanbieter setzen wir dabei mit neuen Technologien, Verfahren und Dienstleistungen wegweisende Standards. Ein Beispiel dafür ist die neu entwickelte Motorenbaureihe 1600, die unser Leistungsspektrum nach unten hin ergänzt. Ein weiteres Beispiel ist die Markteinführung einer neuen Generation von Aggregaten zur Not- und Dauerstromerzeugung, die auf den Baureihen 1600, 2000 und 4000 basiert. Sie ist ein wesentlicher Wachstumstreiber unseres Geschäfts mit dezentralen Energieanlagen. Auch unsere internationale Aufstellung haben wir 2009 weiter ausgebaut und unsere Präsenz in Spanien, China und Indien verstärkt. Anfang März dieses Jahres haben wir eine bedeutende Investition in den USA getätigt. Worum es uns vor allem geht? Unseren Kunden auf Basis einer langfristigen Partnerschaft einen wirtschaftlichen Vorteil im globalen Wettbewerb zu verschaffen. Mit uns können Sie langfristig rechnen. Unser Ziel ist es stets, unsere Produkte und Systeme zu verbessern und gleichzeitig die Lifecycle-Kosten zu optimieren. Damit sorgen wir für hohe Investitions- und Planungssicherheit bei unseren Kunden und erreichen Wettbewerbsvorteile, die uns nachhaltige Profitabilität sichern.
Unsere strategischen Hausaufgaben haben wir gemacht. Tognum hat ein außergewöhnlich schwieriges Jahr gut gemeistert, und ein nicht minder anspruchsvolles Jahr liegt vor uns. 2010 wird ein Übergangsjahr. Die wirtschaftlichen Impulse werden voraussichtlich nicht ausreichen, um für einen dauerhaften Aufschwung zu sorgen. Angesichts der weiterhin volatilen und schwer einzuschätzenden Märkte werden auch unsere Kunden vorsichtig agieren, weshalb wir mit einem Umsatz zwischen 2,3 und 2,5 Mrd. Euro rechnen und einer bereinigten Umsatzrendit zwischen 6 % und 9 %.
An dieser Stelle möchte ich auch im Namen meiner Kollegen nochmals herzlich Dr. Gerd-Michael Wolters, der im April 2009 in den Ruhestand gegangen ist, für sein großes Engagement danken. Er war mehr als 30 Jahre lang in unserem Unternehmen tätig − zuletzt als Technikvorstand der Tognum AG. Damit hat er unseren Erfolg maßgeblich mitgestaltet.
Wir haben allen Grund dazu, selbstbewusst in die Zukunft zu blicken: Unser Geschäftsmodell ist robust und Tognum ist gut aufgestellt, um vom nächsten Wirtschaftsaufschwung überdurchschnittlich profitieren zu können. Ich freue mich, wenn Sie uns dabei begleiten und danke Ihnen für Ihr Vertrauen.
Es grüßt Sie Ihr

Der Vorstand der Tognum AG (v.l.n.r): Christof von Branconi (Leiter des Geschäftsbereichs Onsite Energy & Components), Volker Heuer (Vorsitzender des Vorstands), Joachim Coers (Leiter der Konzerndienstleistungen, CFO und Arbeitsdirektor), Dr. Ing. Ulrich Dohle (Leiter des Ressorts "Technology & Operations"), Rainer Breidenbach (Leiter Geschäftsbereich Engines).
Downloads

| Bezeichnung | Format | |
|---|---|---|
| Geschäftsbericht 2009 | ||
| Zum Geschäftsjahr 2009 | ||
| Home of Power and Future (PDF) | ||
| Konzernlagebericht 2009 | ||
| Konzernabschluss 2009 | ||
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| Präsentation Bilanzpressekonferenz 11. März 2010 |